Off Canvas

 

Fliegendes Spaghettimonster - Pastafarianismus

Fliegendes Spaghettimonster - Pastafarianismus

Fliegendes Spaghettimonster - Pastafarianismus Bild
Urheber Bild: Omidmottaghi - Wikipedia

Der Prophet und die Anhänger der Religion verehren Piraten als die ursprünglichen Pastafari. Bei jeder Handlung soll sich ein Gläubiger fragen: "Was würde ein Pirat tun?" Das fliegende Spaghettimonster verlangt außerdem von seinen Anhängern, dass sie Pirateninsignien tragen. Die sinkende Zahl der Freibeuter ist für die Pastafaris die Ursache für die globale Erwärmung - und alle übrigen Naturkatastrophen. Der Grund dafür ist bestechend logisch: Piraten sind cool. Mit ihrer Coolness haben sie dafür gesorgt, dass die Temperatur auf der Erde gering bleibt. Und als sie verschwunden waren, bliebt der Erde nichts anderes übrig, als sich zu erwärmen.Auf der Erde feierten die Menschen geraden den 2005. Geburtstag von Jesus Christus. Da hatte der Physiker Bobby Henderson eine Eingebung: ihm erschien das fliegende Spaghettimonster. Es war bislang noch von niemanden nachgewiesen worden - aber Henderson sah, dass es wahrhaftig war. Das Spaghettimonster offenbarte ihm, dass es die Welt erschaffen hatte - nicht dieser andere Gott. Die Evolution sei nur von Darwin erschaffen worden, um die Menschheit zu verwirren. Gleiches gilt für die Schwerkraft. Auch sie existiert nicht. Stattdessen drückt die Erdanpressung alle nudeligen Gestalten auf der Welt zu Boden. Wie alle Propheten erkannte Henderson seine Rolle zunächst nicht und tat das Erlebnis als belanglose Erscheinung ab. Doch so leicht kam er dem fliegenden Spaghettimonster nicht davon. Es ließ ihn nicht los - und so wurde Henderson zum Propheten einer neuen Religion: die Pastafari. Die Gläubigen würden fortan jedes Gebet mit dem Wort Ramen beenden.

Zu einer richtigen Religion gehört natürlich auch eine Vorstellung vom Jenseits - und da ließ sich das fliegende Spaghettimonster nicht lumpen. Hat ein guter Gläubiger das Zeitliche gesegnet kommt er in den Himmel. Dort wartet ein ewig sprudelnder Biervulkan auf ihn - und eine Stripper- und Stripperinnenfabrik. Die Unterhalten die Verschiedenen - auf das ihnen in der Ewigkeit nie langweilig würde.

Und wer kommt in diesen Pastafari-Himmel? Natürlich diejenigen, die sich an die Regeln halten - wie in jeder Religion. In Sachen Regeln war das fliegende Spaghettimonster aber recht gnädig zu seinen Anhängern. Es erlegte ihnen keine zehn Gebote auf, sondern lediglich acht "Mir wäre lieber, du würdest nicht". An erster Stelle dieser Gebote steht Toleranz. Das fliegende Spaghettimonster ruft die Gläubigen dazu auf, niemandem ihren Glauben aufzuzwingen. Außerdem darf kein Anhänger einen anderen Menschen unterdrücken - schon gar nicht im Namen des fliegenden Spaghettimonsters. Auch Menschen nach ihrem Aussehen zu beurteilen, ist den Pastfaris nicht gestattet. Sie sollen einfach nett zu ihren Mitmenschen sein. Für das fliegende Spaghettimonster sind Frau und Mann absolut gleich. Keiner ist besser als der andere.

Fliegendes Spaghettimonster Bild
Urheber Bild: Osado - Wikipedia

Peinlichkeiten lehnt die Gottheit ab. Ihre Anhänger sollen nichts machen was ihnen selbst oder ihren Freunden peinlich sein könnte. Frauenfeindliche und verklemmte Bemerkungen sollen sich die Gläubigen nicht auf nüchternen Magen anhören. Das bekommt ihnen nicht gut. Anders als andere Götter fordert das fliegende Spaghettimonster seine Anhänger auf, keine Tempel, Kirchen oder Moscheen in seinem Namen zu errichten. Das Geld, das sie dadurch sparen, sollen sie sinnvoll einsetzen - um endlich Schluss mit der Armut zu machen, Krankheiten zu heilen oder in Frieden zu leben und die Kosten von Kabelfernsehen zu senken. Außerdem will die Gottheit nicht, dass die Anhänger auf der Welt erzählen, sie würde zu ihnen sprechen. Und zu guter letzt sollen die Gläubigen alle Menschen so behandeln, wie selbst gerne behandelt werden möchten.

Henderson gab sich wirklich große Mühe die Lehre des fliegenden Spaghettimonsters zu verkünden - und fand auch rasch Anhänger. Einige von ihnen setzten sich Nudelsiebe auf den Kopf. Sozusagen als geheimes Zeichen ihrer Gefolgschaft. Sie feiern zusammen religiöse Feste wie den Ramendan. In der Zeit ernähren sie sich ausschließlich von japanischen Instant-Nudelsuppen, um den hungrigen Studenten auf der Welt zu gedenken. Der heiligste Tag ist der Freitag. Die Gläubigen huldigen am letzten Tag der Arbeitswoche den Paradies-Vorstellungen - also dem Biervulkan und den Stripperinnen.

Aber auch, wenn Henderson mithilfe der spaßigen Feste schnell noch mehr Pastfaris bekennen konnte, war ihm das nicht genug. Er wollte mehr. Deswegen schrieb er an die amerikanischen Schulen. Sie sollten die Lehre des fliegenden Spaghettimonsters in ihrem Unterricht verbreiten - genauso wie die Lehre der Kreationisten.

Das ist der Punkt, an dem wir auf den ernsten Hintergrund des fliegenden Spaghettimonster zu sprechen kommen müssen. 2005 war ein Jahr, in dem George W. Bush die USA regierte und die biederen und wissenschaftsfeindlichen Vorstellungen der Kreationisten ihren Weg in den Schulunterricht fanden. Dagegen wollte Henderson ein Zeichen setzen. Deswegen dachte er sich das fliegende Spaghettimonster und die Lehre der Pastafari aus. Als Parodie auf echte Religionen. Er wollte den Irrsinn der kreationistischen Vorstellungen aufzeigen. Und ihnen eine von Toleranz und Respekt geprägte Religion entgegen setzen. Aber wer weiß? Vielleicht schwebt über uns nudeligen Wesen wirklich ein fliegendes Spaghettimonster. Und vielleicht war wirklich das Verschwinden der Piraten schuld an der Erderwärmung. Es hat schließlich noch niemand das Gegenteil bewiesen.